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Entspannungstools

Aktualisiert: 7. Juni



Die meisten Schwierigkeiten, ja fast jedes Problemverhalten entsteht aus einem zu hohen Erregungsniveau. Diesem kann man mit gezieltem Training, aber auch mit einfachen Managementmaßnahmen entgegenwirken. Folgend findest Du diese in verschiedene Kategorien unterteilt:


1. Hundehalter
2. Umfeld
3. Direkte Entspannung
4. Aktive Entspannung
5. Entspannende Aufgaben
6. Transfer zu denkendem Zustand
7. Überbrückung


 

1. Hundehalter


Bevor man mit konkretem Entspannungstraining startet, gibt es schon viele kleine Stellhebel, die man als Hundehalter umsetzen kann. Geeignet sind diese vor allem für Situationen, in denen das Erregungslevel in geringem Maß erhöht ist.


Folgende Tipps sind einfach umsetzbar und benötigen weder eine tiefergehende Erklärung, noch vorherige Übung.

  1. Durchatmen: Denn Deine Aufregung überträgt sich auf den Hund.

  2. Mit tiefer, ruhiger Stimme sprechen: Das beruhigt euch beide. Und ggf. das Gegenüber.

  3. Langsame Bewegungen: Denn Hektik macht auch den Hund hektisch.

  4. Auslöser/Reiz verringern bzw. entfernen: Bspw. durch Weggehen oder den Reiz blocken (= sich zwischen Reiz und Hund stellen)


Nichtsdestotrotz, muss man sich allerdings erstmal bewusst werden, dass man in Stresssituationen bspw. lauter und hektischer wird, um das dann entsprechend verändern zu können.


Als weiteren Tipp, für Auslöser, deren Auftreten der Halter vorhersehen kann:

5. Reiz ankündigen: Dies hilft dem Hund sich auf den Reiz einzustellen und das Erregungslevel schießt nicht ganz so hoch, wie ohne (bspw. wenn schon absehbar ist, dass ein anderer Hund gleich um die Ecke kommt).



 

2. Umfeld


Die Umgebung spielt eine wichtige Rolle beim Erregungslevel, denn sie wird mit besonders emotionalen Erlebnissen mit verknüpft. So gerät ein Hund bspw. automatisch an einer gewissen Kreuzung in Anspannung, wenn er an dieser zuvor ein negatives Erlebnis hatte.


Ein Beispiel aus unserem Alltag: Sobald wir uns mit Baxter dem Carport des Nachbarn nähern, merke ich, wie sein gesamter Körper versteift und er sich hektisch umblickt. An diesem Carport hat ihn zuvor eine rabiate Dorfkatze angegriffen.


Folgende Maßnahmen helfen bei negativ verknüpftem Umfeld:


  1. Distanz: Man nimmt Abstand zu dem Ort.

  2. Konditionierte Entspannung: Der Ort wird wieder mit Entspannung verknüpft.

  3. Entspannungssignale: An dem Ort wird ein vorher aufgebautes Entspannungssignal genutzt, wie ein bestimmtes Wort oder bspw. eine Entspannungsdecke.

  4. Inseltraining: Der Ort wird verlassen und ein anderer, vorher mit Entspannung verknüpfter Ort wird aufgesucht.

  5. Pendeln/Bogen laufen: Systematisches Entfernen und wieder Annähern wird zur Senkung der Erregung genutzt.


 

3. Direkte Entspannung


Diese Entspannungsform erfolgt durch direkte Einwirkung von außen durch den/die Hundehalter/in. Dazu gehören:


  1. Intermediäre Brücke (IB): Signal, das durchgehend gegeben wird, um durch eine Situation hindurch zu helfen.

  2. Isometrische Übungen: Gezieltes Ausüben von leichtem Druck durch die Hand auf bestimmte Stellen des Hundekörpers. Dadurch kommt es beim Hund zu einer Spannungsänderung im Muskel und bringt ihn zurück ins Gleichgewicht.

  3. Streicheln/Massage: Berührung in langsamer, beruhigender und entspannender Form (kein "Wuscheln").

  4. Thundershirt/Bänder: Es wird während des Tragens konstant Druck auf den Hundekörper ausgeübt. Dies fördert die Ausschüttung von Oxytocin und beruhigt.

  5. Calming Cap: Ähnlich der Scheuklappen bei einem Pferd wird die Sicht des Hundes eingeschränkt, damit weniger visuelle Reize auf ihn einwirken. Dies hilft die Erregung niedrig zu halten.


 

4. Aktive Entspannung


Wenn wir glücklich sind, sendet das Gehirn automatisch Signale zum Lächeln an die Muskeln. Umgekehrt geht das ebenso: Der Mund sendet Signale an das Gehirn, dass wir glücklich sind, und zwar unabhängig davon, ob wir uns so fühlen oder nur der Mund lächelt.


Kurz gesagt: Der Körper startet, die Psyche folgt, das nennt sich Body Feedback. Man kennt das selbst ausprobieren mit dem Lächeln-Trick: Wer sich in einer angespannten Situationen zu einem Lächeln zwingt, fühlt sich besser.


Die aktive Entspannung erfolgt, wie der Name schon sagt, durch eine Aktivität/Übung, die der Hund entweder auf Signal oder von sich aus selbst durchführt und damit seinen Körper entspannt. Durch die Entspannung des Körpers folgt eine gewisse Entspannung der Psyche.


Schafft der Hund die Ausführung sogar beim Anblick von etwas Aufregendem, so kann man sein Erregungslevel in solchen konkreten Situationen durch Abrufen der Übungen gezielt senken und mit mehr Entspannung verknüpfen.


  1. Strecken: Bspw. an einem Baum/Wand

  2. Diener (Strecken waagerecht): Verbeugung, indem die Vorderläufe auf dem Boden abgelegt werden, die hinteren Beine aber gestreckt bleiben.

  3. Down: Liegen bzw. "Platz" mit zwischen den Pfoten abgelegtem Kopf und die Hüfte zur Seite gekippt.

  4. Seitenlage: flaches auf die Seite legen des gesamten Körpers



 

5. Entspannende Aufgaben


Hier wird dem Hund eine Aktivität zur Durchführung angeboten.


  • Schlecken, Kauen, Suchen: Alles senkt das Erregungslevel, umsetzbar z.B. mit Kong, Leberwursttube, Kauartikel wie Knochen, Holz, Futtersuche am Boden, Schnüffeln, Schnüffelteppich, Futter in Handtuch gewickelt, Schleckmatte

  • Bewegung, Erkundung: Ruhige, konstante Bewegung baut Stresshormone ab

  • Bodenarbeit/Cavaletti: Der Hund steigt über Äste im Wald/bestimmte Cavaletti-Stäbe. Dies nimmt Tempo raus und fördert die Konzentration.

  • Etwas tragen: Diese Aufgabe bietet dem Hund eine konkrete Beschäftigung, in die er seine überschüssige Energie umleiten kann.

  • 10-Leckerchen-Spiel: Abzählen von 10 Leckerchen, die in kleinem Radius fallen gelassen werden, so dass der Hund NICHT rennt. Fördert bei regelmäßiger Übung Impulskontrolle & Konzentration.

  • „Blind“/“Steckrübe“: Kopf zwischen die angebotenen Beine/Hände stecken, um äußere Reize auszublenden.



 

6. Transfer zu denkendem Zustand (Hinterhirn zu Vorderhirn)

  • Statisches Alternativverhalten (Pfötchen, Kinn-Touch)

  • Kopfloses Wegrennen umlenken zu Handtouch o.ä.

  • Aufgabe „Was-kannst-du“


 

7. Überbrückung


  • Futtersuche

  • Futter vor Hund/auf Pfote

  • Auf Entfernung ablegen

  • Gegenstand tragen

  • Still-Signal

  • Spielzeug-wegpack-Signal



 

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